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Verleihung des SN-Kulturpreises 2015
Die Begründung der Jury:

Die Ausgangssituation vor knapp zehn Jahren in Bramberg: Immer mehr alte Obstbäume verschwinden. Früchte verderben in Massen ungenutzt als Fallobst. Toni Lassacher, der Obmann des Obst- und Gartenbauvereins Bramberg, kann da nicht tatenlos zuschauen und wendet sich an den Verein Tauriska und deren Leiter Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter. Zusammen erwirken sie die Anschaffung einer Obstpressanlage. Nicht nur der modernsten damals, auch der sozusagen “demokratischten”: Zum Pressen kann schon der Kleinstbesitzer mit 20 kg Äpfel vorbeikommen. 10.000 Apfelbäume wurden seit 2007 zwischen Hollersbach und Krimml gepflanzt, ständig kommen neue hinzu. Viele alte, heimische Sorten findet man heute wieder in den Streuobstwiesen. - In denen auch die Touristen gerne wandeln, ebenso wie in dem angelegten Obstlehrgarten. In der Bramberger Hauptschule (jetzt Mittelschule) bekommt jeder Schüler/ jede Schülerin zum Schuleintritt ein Apfelbäumchen, darf es im Schulgarten großziehen und bei Schulabschluss mit ins Leben nehmen.

Welch feinsinniges Ritual in der stürmischen Zeit der Pubertät! Die Obstpresse wird zur Initialzündung für eine ganze Flut an Maßnahmen, die sich nun in diesem Landstrich ausbreiten. Sukzessive bauen die Projektbetreiber eine solide Wertschöpfungskette zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Handel auf. Eine Menge an regionalen Köstlichkeiten werden kreiert, weshalb sich die Region jetzt auch “Genussregion Bramberger Obstsaft” nennen darf. In den “Genuss-Korb” packen sie den Apfelsaft und das Apfelbier, den Apfel-Miniguglhupf und das Apfelbrot, in Apfeltrester gepökelten Rinderspeck, den Apfelbrand, die Apfelschokolade, die Apfelseife, den Apfelminze-Tee. Arbeitsplätze werden gestärkt, der Kleinhandel und das Kleingewerbe profitieren. Durch ein aufgebaute Netzwerk sind die Akteure dynamisch verbunden: die Mitglieder der Obstpresse, der Imkerverein, die Bäcker und Metzger, die Selbstversorger eines Biokratergartens, die Betreiberin des Wochenmarktes beim Samplhaus. Die Bevölkerung ist aufgerufen, sich lebhaft zu beteiligen. Sei es, einen Baum im öffentlichen Bereich als Pate zu hegen und zu pflegen oder Rezepte für das Buch “Goldschatz Apfel” beizusteuern. In Seminaren ist man dem Mythos und der Heilkraft der Frucht auf der Spur. Heimische Künstler beleuchten in Ausstellungen den “Apfel in der Kunst”. Da ist man nicht immer einer Meinung. So führte ein Bild der verführerische Eva mit Apfel zu starken Kontroversen.

Philosoph Leopold Kohr, der verstorbene Schirmherr von Tauriska und der Leopold-Kohr-Akademie in Neukirchen/Gr.Ven., würde diesem Projekt in seiner Vielfalt ein von Herzen kommendes “Ausgezeichnet” verpassen. Wird hier doch vorbildlich umgesetzt, was der Alternativnobelpreisträger stets gefordert hatte: Nachhaltigkeit, regionale Identifikation, Heimat im besten Sinn. Dazu braucht es Mutmacher, zähe Durchhalter. Denn regionale Kulturarbeit, wie es Tauriska seit 29 Jahren vorzeigt, ist heute alles andere als einfach. Auch die Obstpresse in Bramberg hat einen weiteren Siegeszug angetreten. Durch die angeschaffte Apfelmehlanlage kann der Apfel nun “mit Putz und Stingl”, wie man im Pinzgau sagt, verwertet werden. Bisher wurden die Apfeltrester, also die wertvollen Reststoffe, verworfen oder verfüttert. Jetzt werden sie zu Pulver gemalt und zum Backen verwendet – als fertige Mischung für den “Ruck-Zuck-Apfelkuchen” oder als Zutat der süßen Mehlspeise “Epfö-Augen” eines Bramberger Bäckers. Anstoß dazu hatte die Masterarbeit von Verena Olschnögger aus Mittersill an der Fachhochschule Salzburg, Studiengang Design und Produktmanagement, gegeben. Die Anlage wurde mittlerweile auf der “Anuga” in Köln, der international bedeutsamen Ernährungsmesse für Handel und Gastronomie, vorgestellt.
Man hat das Eindruck, die Ideen und Aktivitäten gehen den Projektbetreibern nicht aus. Auch länderübergreifend sind sie wirksam. So tauschte man am Krimmler Tauernpass bei Miesewetter seine regionalen Produkte aus: Die Südtiroler kamen von der italienischen Seite und überreichten ihre Latschenkiefer-Zuckerlan (Zuckerl) und das Schüttelbrot. Toni Lassacher und das Ehepaar Vötter näherten sich mit ihren Apfel-Spezialitäten von der Salzburger Seite. Leopold Kohr hätte seine Freude gehabt!

Von links nach rechts:Obmann Toni Lassacher (Obst- und Gartenbauverein Bramberg), Landesrat Dr. Heinrich Schellhorn, Dir. A.D. Waltraud Hochfilzer (Mittelschule Bramberg), Trude Kaindl-Hönig (Salzburger Nachrichten), Bgm. A.D. Walter Freiberger (Gemeinde Bramberg), Christine Hochwimmer (Samplhaus Bramberg), Obmann Walter Innerhofer (Tourismusverband Bramberg), Susanna Vötter-Dankl (TAURISKA/Leopold Kohr(r)-Akademie), Baumwärter Josef Steiner (Obst- und Gartenbauverein Bramberg), Christian Vötter (TAURISKA/Leopold Kohr(r)-Akademie), Amtsleiter a.D. Josef Stainer (Marktgemeinde Neukirchen), Baumwärter Siegfried Thomann Obst- und Gartenbauverein Bramberg) und Bernhard Strobl (Kurt und Felicitas Vössing Stiftung). (Foto: Robert Ratzer)

              
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